In dieser Woche strahlte ZDFzoom die Reportage „Weiterbildung ohne Sinn – Was sich bei Hartz IV ändern muss“ aus. Dabei wurde das ganze Ausmaß der ineffizienten Weiterbildungsmaßnahmen im Hartz-IV-System deutlich. Es ist nur schwer begreiflich, wie Erwerbslose durch Mandela ausmalen oder Murmelbahnen bauen für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen. Die Reportage von ZDFzoom ist deshalb ein Weckruf für einen Paradigmenwechsel. Die folgenden Thesen unterstreichen diese Notwendigkeit:

These 1: Die Menschen werden nicht zielgenau gefördert

Viele Betroffene werden in Maßnahmen geschickt, damit die Plätze gefüllt werden. Die individuellen Bedürfnisse der Menschen kommen oft zu kurz. Eine passgenaue Förderung kann nicht stattfinden. Dieser Umstand widerspricht dem Grundprinzip des „Förderns und Forderns“ im Hartz-IV-System. Für die Betroffenen bedeutet es konkret, dass sie nicht die beste Hilfestellung erhalten und deshalb im Zweifel eine lange Zeit von sozialen Leistungen abhängen. Manche Menschen finden überhaupt keinen Ausweg mehr aus dem System.

These 2: Die Trägerlandschaft schadet der Qualität der Maßnahmen  

Jutta Allmendinger weist in der Reportage darauf hin, dass die Zahl der bestehenden Bildungsträger deutlich abgebaut werden könnte, um die Qualität der Maßnahmen zu erhöhen. Sie fordert im Umkehrschluss eine höhere Beteiligung von öffentlichen Institutionen in diesem Bereich. Dieser Aspekt kommt in der politischen Debatte leider oft zu kurz. Es wird selten kritisch hinterfragt, inwieweit die Struktur der Träger den Betroffenen hilft und, ob das bestehende System wirksam und effizient ist.

These 3: Die Zielsteuerung der Bundesagentur für Arbeit geht am eigentlichen Ziel vorbei

Schon seit Jahren wird überall propagiert, dass eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt von äußerster Wichtigkeit ist. Dies spiegelt sich in der Realität leider nicht wider. Dafür gibt es zu wenige abschlussbezogene Qualifizierungsmaßnahmen. Solche Maßnahmen tragen nämlich nachhaltig dazu bei, dass Menschen aus Hartz IV rauskommen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht wieder hineinrutschen. Kurzfristige Maßnahmen beschäftigen Menschen zwar, sie erhöhen jedoch nur bedingt die Beschäftigungsfähigkeit.

 

Diese drei Thesen sind nur ein Ausschnitt der komplexen Gemengelage. Sie legen jedoch dar, dass das aktuelle System der Weiterbildungsmaßnahmen den Menschen nicht hilft. Deshalb muss es dringend reformiert werden.

 

 

 

Zeige alle

Kommentar verfassen