In den letzten Wochen hat die Debatte über Hartz IV wieder Fahrt aufgenommen. Verschiedene Parteien haben Vorschläge zu einer Reform des Hartz-IV-Systems präsentiert. Im Zentrum der politischen Diskussion steht die Frage, ob Hartz IV beibehalten werden soll oder nicht. Was hierbei fehlt, ist eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Zielgruppen im Hartz-IV-System. Eine solche Zielgruppe sind die Alleinerziehenden. Sie sind überproportional häufig von Hartz IV betroffen. Dieser Beitrag schlägt drei Möglichkeiten vor, um diesen Umstand zu ändern.   

Mitte des Jahres 2018 lebten in 18 % (563.000) der Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehende. Der aktuelle Armuts-und Reichtumsbericht der Bundesregierung verweist auf die hohe Armutsrisikoquote von Alleinerziehenden – auch im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen. Um dieser Gruppe eine bessere Zukunft zu ermöglichen, bedarf es folgender konkreter Maßnahmen:

1. Reform des Kinderzuschlags

Im Koalitionsvertrag hat man sich auf eine Reform des Kinderzuschlags geeinigt. Die sogenannte “Abbruchkante“ soll abgeschafft werden. Ziel: Wer ein Euro mehr verdient, darf nicht sofort den Anspruch auf alle Leistungen verlieren. Stattdessen soll ein sanfterer Übergang eingeführt werden. Durch diese Maßnahme könnten viele Alleinerziehende finanziell besser gestellt werden und folglich dauerhaft Hartz IV verlassen.

2. Anreize zur Qualifizierung setzen

Laut Erhebungen sind Alleinerziehende überproportional im Helfersegment tätig. Um den Teufelskreislauf von Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit und kurzfristiger Beschäftigung zu durchbrechen, sollten deshalb Qualifizierungsmaßnahmen im Vordergrund stehen. Dadurch sinkt zum einen das Risiko der Arbeitslosigkeit. Zum anderen verbessern sich die Aussichten auf ein höheres Einkommen.

3. Kinderbetreuung verbessern

Der Sachverständigenrat setzt sich in seinem Gutachten für einen flächendeckenden sowie qualitativen Ausbau der Ganztagesbetreuung ein. Damit soll es Alleinerziehenden erleichtert werden, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

 

Fazit: Diese drei Vorschläge sind nicht ganz neu. Sie sind jedoch ein konstruktiver Beitrag zur derzeitigen Hartz-IV-Debatte. Die Debatte konzentriert sich nicht auf die Bedürfnisse und Zukunftschancen der Hartz-IV-Bezieher, sondern nur auf die Angebotsseite des Staates. Dabei wäre es hilfreich, einen nutzerorientierten Ansatz bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten zu verfolgen. Das Ziel muss klar definiert sein: nicht mehr von Hartz IV abhängig zu sein. Die genannten Vorschläge können gerade der Gruppe der Alleinerziehenden dabei helfen.

Veröffentlicht von

Adrian Sonder

Seit der Bundestagswahl 2013 arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Themen. Zurzeit absolviere ich das Executive Master of Public Administration Programm an der Hertie School of Governance. Ich verfasse regelmäßig Beiträge auf Huffington Post und anderen Blogs – speziell zu arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Themen. Darüber hinaus bin ich aktives Mitglied des Berliner Grassroots-Thinktanks Polis180. Dort leite ich den Programmbereich Arbeitsmarktintegration.

Kommentar verfassen