Seit einigen Jahren spitzt sich der Fachkräftemangel in Deutschland zu. Aufgrund der guten Arbeitsmarktlage hat dieser Umstand jedoch nicht zu umfassenden politischen Reformen geführt. Die aktuelle Regierung möchte dies vor allem mit dem Fachkräftezuwanderungsgesetz ändern. Wie dringend ein solches Gesetz benötigt wird, zeigen die folgenden Zahlen:

  • Der Fachkräfteengpass von 440.000 qualifizierten Arbeitskräften mindert die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0.9 % beziehungsweise 30 Milliarden Euro (Institut der deutschen Wirtschaft, 2018)
  • Ohne weitere Zuwanderung wird das Erwerbspersonenpotenzial von derzeit 47 Millionen Personen auf 29 Millionen im Jahr 2060 sinken (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2018)
  • Das Erwerbspersonenpotenzial kann nur mit einer jährlichen Nettozuwanderung von 400.000 Personen stabil gehalten werden (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2018)
  • Im Bereich der Pflege fehlen bis zum Jahr 2025 über 100.000 Fachkräfte (Krankenhaus Rating Report, 2018)

Diese Berechnungen führen uns ganz konkret die Auswirkungen des demographischen Wandels sowie des Fachkräftemangels vor Augen. Das jahrelange politische Zögern hat der deutschen Wirtschaft und den deutschen Unternehmen ohne Zweifel geschadet. Deshalb ist es nun höchste Zeit zum Handeln.

Begrenztes inländisches Potenzial nutzen

Eine umfassende Fachkräftestrategie muss inländische, europäische und internationale Potenziale in den Blick nehmen. Hierbei ist anzuerkennen, dass in Deutschland die inländischen Potenziale zum Teil schon gut genutzt werden. Im internationalen Vergleich sind zum Beispiel die Erwerbsquoten von Frauen und Älteren sehr hoch. Darüber hinaus kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu dem Schluss, dass die Nachqualifizierung von Geringqualifizierten auch an Grenzen stößt. Trotz dieser Einschränkungen kann das inländische Potenzial unter anderem mit folgenden Ansätzen besser genutzt werden:

  1. Steigerung der Erwerbsbeteiligung durch längeres Arbeiten (z. B. durch eine Kopplung des Renteneintrittsalters und der Lebenserwartung)
  2. Unterbeschäftigung muss bedarfsgerecht und individuell reduziert werden (z. B. durch eine Ausweitung der Arbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte)
  3. Hohe Zahl der Schulabbrecher von ca. 50.000 Personen senken (z. B. durch bessere Betreuung in den Schulen)

Diese vielversprechenden Ansätze werden jedoch bei Weitem nicht ausreichen, um die benötigten Zuwanderungszahlen zu erreichen. Deshalb muss die Zuwanderung aus EU-Staaten und Drittstaaten an Bedeutung gewinnen.

Fachkräfte aus EU-Staaten und Drittstaaten im Fokus

Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden im Zeitraum von 2015-2050 jährlich ca. 62.000 EU-Bürger “netto“ nach Deutschland einwandern. Diese Schätzungen hängen natürlich von der wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb Europas ab. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Zuwanderung nach Deutschland aufgrund des steigenden Wohlstands in zahlreichenEU-Ländern nicht signifikant zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund nimmt die Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten eine überragende Rolle ein. Um die Fachkräftezuwanderung aus diesen Ländern zu verbessern, braucht es einfachere und handhabbare Regeln. Nur auf diesem Wege kann ein regulatorischer Flickenteppich vermieden werden. Schließlich geht es darum, langfristig den Fachkräftebedarf in Deutschland zu decken.

 

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