5 Maßnahmen für eine Hartz-IV-Reform

Immer weniger Langzeitarbeitslose finden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die nächste Regierung wird deshalb eine größere Reform zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit in Angriff nehmen. Mögliche Maßnahmen müssen die Fähigkeiten der Menschen in den Mittelpunkt stellen und eine bessere individuelle Förderung garantieren.     

Trotz der guten Arbeitsmarktlage finden Langzeitarbeitslose nur selten eine dauerhafte Beschäftigung. Viele der Betroffenen haben besondere Vermittlungshemmnisse (z. B. geringe Qualifikation), die ihrem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt im Wege stehen. Vor diesem Hintergrund müssen folgende Weichenstellungen erfolgen:

1. Finanzielle Mittel für Jobcenter

Erstens brauchen die Jobcenter mehr finanzielle Mittel, um die Verbesserung der Betreuung zu gewährleisten. Durch gezielte individuelle Förderung können sogar Menschen wieder in Arbeit gebracht werden, die lange arbeitslos waren. Im Jobcenter Berlin Lichtenberg wurde ein Langzeitarbeitsloser nach 12 Jahren Arbeitslosigkeit dauerhaft in den Arbeitsmarkt integriert.

2. Ausbildung und Weiterbildung

Zweitens ist die Förderung von Aus- und Weiterbildung zu intensivieren. Mit einer guten Qualifikation kann Arbeitslosigkeit überwunden und gleichzeitig perspektivisch vermieden werden. Deshalb ist eine Qualifizierungsmaßnahme stets der Aufnahme einer Helfertätigkeit vorzuziehen.

3. Jugendarbeitslosigkeit

Drittens müssen schwer erreichbare Jugendliche früher und gezielter in den Fokus rücken. Sie sollten so schnell wie möglich eine schulische, berufliche oder ausbildungsbezogene Qualifikation aufnehmen beziehungsweise abschließen. Je früher diese Aktivierung erfolgt, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Im Jobcenter Junges Mannheim wird dieser Ansatz seit vielen Jahren mit folgendem Motto verfolgt: „Jeder junge Erwachsene erhält in Mannheim eine Chance und das sofort.“

4. Innovationen bei der Jobvermittlung

Viertens sollten Jobcenter dazu ermutigt werden, Arbeitgeber und Langzeitarbeitslose mit innovativen Initiativen zusammenzubringen. Das Jobcenter Köln organisiert seit vielen Jahren erfolgreich „Das JobSpeedDating Köln“ und bringt hierbei zahlreiche Arbeitgeber mit rund 1000 Bewerbern zusammen. Solche praxisnahe Initiativen verbessern die Qualität der Jobvermittlung und stoßen bei Arbeitgebern auf positive Resonanz.

5. Leistungsberechnung im Hartz-IV-System

Fünftens müssen die Jobcenter-Mitarbeiter von bürokratischen und rechtlichen Hürden befreit werden. Die Leistungsberechnung im Hartz-IV-System ist trotz einiger Reformen immer noch zu kompliziert und bindet dadurch unnötig personelle Ressourcen. Durch Pauschalierungen von Leistungen (z. B. bei Bedarfen für Bildung und Teilhabe) und Bagatellgrenzen können in diesem Bereich Verbesserungen erzielt werden.

Kurz zusammengefasst:

  • Mehr finanzielle Mittel für Jobcenter
  • Bessere Förderung von Aus- und Weiterbildung
  • Jugendliche erhalten sofort eine Chance
  • Innovationen in Jobcentern fördern
  • Bürokratische und rechtliche Hürden abbauen

Diese Weichenstellungen sind notwendig, um langzeitarbeitslosen Menschen die Perspektive auf eine gute Zukunft zu geben. In den vergangenen vier Jahren wurden keine entscheidenden Reformen in diesem Bereich beschlossen. Deshalb muss das Motto jetzt lauten: Endlich die richtigen Weichen stellen und Langzeitarbeitslosen wieder eine Perspektive geben!

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