Im Zeitraum von 2012 bis 2016 haben über 500.000 Mädchen und Frauen Schutz in Deutschland gesucht. Fast die Hälfte der Schutzsuchenden ist noch nicht volljährig. Somit haben sie das Potential, die Fachkräfte von morgen zu werden. Wie können geflüchtete Frauen auf dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützt werden? Dieser Beitrag möchte der Frage mit Hilfe von zwei Projekten nachgehen.

Fakt ist: Vier von fünf Frauen haben eine Schule in ihrem Herkunftsland besucht. Ein Drittel hat ein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen beziehungsweise begonnen. Außerdem gibt ein Drittel der Frauen an, im Herkunftsland erwerbstätig gewesen zu sein. Diese Kennzahlen unterstreichen das Arbeitsmarktpotential geflüchteter Frauen in Deutschland. Die Realität in Deutschland zeigt jedoch, dass dieses Potential oft nicht genutzt wird und diese Gruppe schlecht in den Arbeitsmarkt integriert ist. Geflüchtete Frauen leben häufig in tradierten Rollenverständnissen und sind von multipler Diskriminierung betroffen.

In den vergangenen Jahren hat sich etwas getan. Spezifische Angebote und Programme wurden ins Leben gerufen, die sich auch an geflüchtete Frauen richten. Hier zwei Beispiele:

  1. Bundesprogramm „Stark im Beruf“

Durch dieses Programm werden Mütter mit Migrationshintergrund in bundesweit 80 Projekten unterstützt. Die Unterstützungsleistungen vor Ort umfassen unter anderem eine intensive Beratung zu arbeitsmarktrelevanten Aspekten und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Beide Leistungen sind von höchster Relevanz. Zum einen kennen sich geflüchtete Frauen oft nicht mit den Gegebenheiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus (z. B. Anerkennung formaler Kompetenzen, rechtliche Hindernisse). Zum anderen scheitert die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen daran, dass Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht in Anspruch genommen werden. Entweder sind Kinderbetreuungsmöglichkeiten nicht in ausreichendem Maße vorhanden oder sie werden aus persönlichen beziehungsweise kulturellen Gründen nicht genutzt.

Ziel des Bundesprogramms ist, dass die Teilnehmerinnen durch ein Praktikum, eine Ausbildung oder eine Weiterqualifizierung an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Das Programm setzt dabei einen Schwerpunkt auf individuelle Betreuung und Beratung. Diese Komponenten sind notwendig, um den geflüchteten Frauen bei der Bewältigung ihrer individuellen Herausforderungen zu helfen (z. B. Sprachprobleme, psychische Störung als Folge der Flucht, kulturelle Anpassungsschwierigkeiten, Hilfestellung bei Behördengängen etc.).

  1. „Modellprojekt POINT – Potentiale integrieren“

Anfang dieses Jahres ging das Modellprojekt „POINT“ mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin an den Start. Es soll allein geflüchteten Frauen dabei helfen, eine existenzsichernde Beschäftigung oder eine Ausbildung aufzunehmen. Der Berliner Arbeitsmarktdienstleister Goldnetz GmbH setzt das Projekt in Kooperation mit verschiedenen Akteuren um (u. a. Bundesagentur für Arbeit, Sozialpartner, Land Berlin etc.).

Die Projektteilnehmerinnen werden während ihrer Förderzeit eng individuell begleitet. Zum einen helfen ihnen Jobcoaches auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Zum anderen stehen ihnen Alltagsbegleiter für ganz individuelle Probleme zur Verfügung. Flankiert werden diese Bemühungen durch spezielle Maßnahmen wie zum Beispiel „Kurzseminare zu Themen rund um das Leben als Frau in Deutschland und das Arbeits- und Bildungssystem“.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich die Projektlandschaft für die Gruppe geflüchteter Frauen deutlich vergrößert hat. Es ist noch zu früh, um etwas über die Wirksamkeit der oben genannten Projekte zu sagen. Wichtig wäre jedoch, deren erfolgreiche Elemente in die Regelstrukturen der Arbeitsvermittlung zu übertragen. Dadurch würde ein noch größerer Teil der Zielgruppe von einer intensiven Förderung profitieren. Diese ist notwendig, um den besonderen Herausforderungen geflüchteter Frauen gerecht zu werden. Nur auf diesem Wege kann sich ihr Arbeitsmarktpotential entfalten.

 

 

 

 

 

Zeige alle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s